mein ZIEL ist im weg!
Ja, ihr habt richtig gehört.
Wie oft haben wir schon gesagt: „Der Weg ist das Ziel“ – und uns im nächsten Augenblick bereits wieder dem nächsten Ziel zugewandt?
„mein ZIEL ist im weg!“ macht für mich noch deutlicher, worin die Problematik und Herausforderung liegt und lädt dazu ein, noch einmal neu zu denken.
Wir fokussieren uns meist so sehr auf ein Ziel, dass wir, während wir auf dem Weg dorthin sind, kaum andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Wenn dann das Leben plötzlich „dazwischenfunkt“, quasi in eine andere Richtung schwenkt, die uns vermeintlich von unserem Weg abbringt, sind wir enttäuscht. Wir geben etwas oder anderen die Schuld für diese Störung oder glauben manchmal sogar, selbst versagt zu haben, wenn die Ergebnisse nicht so eingetreten sind, wie wir es uns vorgestellt haben.
Ich denke, unser Ziel steht uns viel öfter im Weg, als wir das wahrhaben wollen. Das Leben ist doch der größte Beweis dafür, dass es darauf pfeift, was wir planen. Wenn etwas für uns nicht dran ist, stellt das Leben Weichen und führt uns woanders hin. Ob uns das gefällt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Vielleicht ist genau das, was uns vermeintlich dazwischenfunkt, der Weg, den wir zu gehen haben?
Vielleicht sind wir auf einer anderen Ebene sogar vollkommen einverstanden – wir erinnern uns nur nicht daran. Und damit meine ich nicht die Ebene unseres irdischen Daseins, sondern die Ebene, aus der wir kommen und zu der wir wieder gehen. Ich nenne sie auch gerne unser wahres Zuhause.
Wenn wir uns schon auf dieser anderen Ebene bewegen, möchte ich noch einen anderen Gedanken einfließen lassen:
Was, wenn es im Leben NIE um ein Ziel geht?!
Was, wenn es nicht einmal um einen bestimmten Weg geht?
Wenn du genau beobachtest, ist das ICH und die dazugehörige Geschichte, für die wir uns halten, letztlich nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die sich immer im Jetzt zeigt.
Manche Leser sind wahrscheinlich schon genervt: „Fängt die schon wieder mit dem JETZT an?! Ja, wir haben’s kapiert – dass es weder Vergangenheit noch Zukunft im gegenwärtigen Augenblick gibt.“
Ja, aber wer hat’s denn kapiert? Das Ich, das sich umdreht und sich im nächsten Moment wieder über Dinge in der Vergangenheit ärgert und sich um die Zukunft sorgt.
Genau deshalb schreibe ich so oft darüber. Das Ich-Bewusstsein sorgt dafür, dass wir immer wieder ins Grübeln fallen – über Dinge, die besser oder anders hätten laufen sollen. Und schon sind sie wieder da: Selbstzweifel oder ganz allgemein Zweifel über den richtigen Weg. Wer kennt sie nicht, die hartnäckigen Begleiter, inneren Kritiker, die meinen, sich immer wieder einmischen zu müssen?
Das Ich schafft es, dass wir uns an destruktiven Gedanken festhalten und sie für wahr halten. Wir geben den Selbstzweifel so viel mehr Raum und Aufmerksamkeit als dem Vertrauen in den natürlichen Fluss des Lebens. Obwohl offensichtlich ist, dass das Leben führt und nicht wir, verfallen wir immer wieder der Vorstellung, wir hätten irgendetwas anders machen können. Hätten wir nur mehr meditiert, uns besser ernährt, uns früher getrennt oder wären links statt rechts abgebogen – dann wäre es nicht so gekommen.
Genau dort halten wir uns gerne auf und quälen uns mit Selbstvorwürfen.
Wir leiden, wenn das Leben uns einen Strich durch die Rechnung macht, weil unsere Pläne nicht aufgehen und unsere Ziele in weite Ferne rücken. Dabei haben wir doch genau darauf hingearbeitet oder sogar hingelebt – und unterwegs den Weg übersehen, weil wir nur das Ziel vor Augen hatten.
Leid entsteht, wenn ich gegen das Leben kämpfe und nicht einverstanden bin, wie es gerade ist. Natürlich darf ich wütend und traurig darüber sein, wenn Dinge geschehen, die großen Schmerz verursachen. Es ist menschlich und sogar sehr wichtig, sich diesen Gefühlen zu stellen und sie wirklich zu fühlen. Nur vergiss nicht: Du (das Leben/Gott) hast zu keinem Zeitpunkt etwas falsch gemacht.
Eine bewundernswerte und sehr weise Frau, die ich gerade mit einer herausfordernden Diagnose begleite, sagte neulich in einer beeindruckenden Klarheit zu mir:
„Weißt du Nina, ich glaube der Himmel macht keine Fehler.“
Das nenne ich wahre Demut.
Ihr brauche ich all das nicht mehr erzählen. Sie ist sich selbst – oder Gott – so nah.
Vielleicht liest sie diese Zeilen, darüber würde ich mich freuen.
Sie hat alle Vorkehrungen getroffen und ist vorbereitet, auf das, was kommt. Ich bewundere sie auch für ihren Mut, sich dem Leben zu stellen. Und ich sage bewusst nicht dem Tod, weil es ihn aus meiner Sicht nicht wirklich gibt. So, wie ich sie kennenlernen durfte, bin ich überzeugt, dass auch für sie diese Sicht stimmig ist.
*
Es geht mir NICHT darum, dass wir nicht mehr planen und uns etwas wünschen dürfen! Das ist in uns Menschen offensichtlich angelegt und ganz natürlich – es macht sogar Freude zu planen, und uns etwas zu wünschen, gibt uns Hoffnung.
Doch es kommt auf die Haltung an, mit der du deinen Plänen, Wünschen und Zielen begegnest – darauf, dass du innerlich frei bleibst und an nichts haftest. Das Leben zeigt uns immer wieder, dass wir es nicht festhalten und kontrollieren können. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als loszulassen – unser LOS zu lassen, wie ich gerne sage.
Wenn du die Kontrolle darüber aufgibst, wie der Weg und das Ergebnis auszusehen haben, erlaubst du dem Leben, dir Möglichkeiten zu zeigen, die du vorher – vor lauter Festhalten – nicht wahrgenommen hast. Loslassen ist somit kein Verlust, sondern ein Gewinn. Ein Gewinn an mehr Weite, Vertrauen und Frieden.
Kontrolle begrenzt dich.
Loslassen macht dich frei – frei, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfahren.
Wenn du auf etwas wartest, das du dir wünschst, und von dem du hoffst, dass es endlich eintrifft, schaust du nur verkrampft auf das Ziel und übersiehst dabei, was sich schon jetzt wandelt. Vieles bereitet sich leise in dir vor, bevor es sichtbar wird.
Vertrauen bedeutet, die Kontrolle loszulassen und auf die Weisheit und Intelligenz des Lebens zu vertrauen.
Manchmal zeigt dir das Leben erst viel später, warum Verzögerungen notwendig waren. Warum du einen bestimmten Zug nicht bekommen solltest oder eine Person nicht für dich gewinnen konntest, die du unbedingt wolltest. Warum du eine Prüfung nicht bestehen solltest.
Nach der gefühlten Wut und Trauer darüber, dass das ausgedachte Ziel nicht eingetroffen ist, kommt irgendwann die Akzeptanz und Annahme, dass es nicht anders hätte sein können. Und viel später zeigt sich oft warum. Manchmal allerdings auch nicht, denn Manches bleibt im Verborgenen des Universums.
Statt Sklave deiner Erwartungen zu sein, sei Beobachter und Begleiter des natürlichen Flusses. Denn in diesem Fluss liegt die Freiheit: Alles, was für dich bestimmt ist, findet den Weg zu dir – immer im richtigen Moment. Und alles, was dich nicht betrifft, was nicht für dich bestimmt ist, geht an dir vorüber.
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Wenn du einen Einstieg zum Thema „Loslassen“ suchst, dann probiere folgende Übung aus:
Suche dir ein freies Wochenende aus, an dem du nichts vorhast.
Beobachte, wie du durch den Tag gehst, ohne irgendetwas von ihm zu wollen, ohne irgendwo hinkommen oder dich einmischen zu müssen.
Was entsteht in diesem neuen Raum – ohne Plan und ohne Ziel?
Er ist frei von Erwartungen, weil nichts erfüllt werden muss. Das Leben entsteht aus dem Moment heraus und darf sein, wie es kommt. Impulse und Ideen tauchen auf – manchen gehst du nach, andere lösen sich wieder auf und sind nur kurz aufgeblitzt.
Je öfter du diese Übung in deinen Alltag einfließen lässt, desto leichter wird es – selbst Termine gehen leichter von Hand.
Nichts steht dem Leben im Weg.
Alles ist frei, zu sein, wie es ist.
Und weißt du was?
Nie warst du dir näher als in diesem Moment, in dem alles freigelassen ist, zu sein, wie es ist.
Solange du nämlich meinst: Ich tue. Ich bestimme. Ich möchte. Ich entscheide. Ich handle. – ist das Leben sozusagen raus und sagt dir: „Gut, wenn du es besser weißt.“
Erst wenn du aus dem Ego-Traum wieder erwachst, erkennst du, dass du nicht der Entscheider bist und dass das Leben dich genau so will, wie du bist.
Das ist so.
Denn, wenn das Leben/Gott dich oder mich anders gewollt hätte, wärst du oder ich anders.
Genauso verhält es sich übrigens mit globalen Themen. Das Leben bestimmt und entfaltet sich durch uns Menschen und zeigt, wohin sich die Welt entwickelt. Zyklen, Epochenwechsel und Bewusstseinsveränderungen gab es schon immer auf der Erde – und sie vollziehen sich aus sich selbst heraus. Das Leben auf Erden ist schon immer im Wandel und nicht erst, seit die Menschheit meint, alles kontrollieren oder bestimmen zu müssen. Alles, was hier geschieht, geschieht weniger wegen uns, sondern trotz uns.
Momentan geschieht allerdings eine ziemlich große Veränderung – sowohl im Bewusstseinsfeld als auch in den jeweiligen Körpern. Das ist jetzt dran.
Es ist eine Art Umbau, der gerade stattfindet. Alles, fühlt sich anders an – schneller und intensiver. Ein tiefgreifender Prozess, der vieles verändert und neu ordnet – auf globaler Ebene ebenso wie in den individuellen Leben. Alles, was nicht echt ist, wird kein Halt mehr haben.
Lasst euch nicht in das Feld der Angst ziehen, das von Unwissenheit und so vielen Lügen genährt und gefüllt wird.
Bleibt ganz bei euch und füllt diesen Raum mit Liebe. Denn Liebe ist die stärkste Kraft, die es gibt.
In diesem Bewusstseinsfeld seid ihr für die alte, ausgediente Energie, die sichtlich versucht nicht unterzugehen, nicht mehr erreichbar. Ein altes, auf Angst basierendes System hat hier keinen Zugriff mehr auf euch. Das darf gehen…
Schafft diesen sicheren Raum in euch, in dem ihr das spürt, was ihr wirklich seid – ohne dem Menschenkleid. Genau von hier aus könnt ihr erkennen, wie das Leben für uns sorgt. Wie sich Dinge fügen, wie sich neue Türen öffnen und wie wir getragen werden – auf eine Weise, die uns vorher verborgen war.
*
Alles, was wir geschafft haben, haben wir dem Leben zu verdanken – nie uns selbst.
Alles, was wir nicht geschafft haben, ebenso. Da gibt es nichts zu verhandeln. Was vom Leben nicht vorgesehen ist, ist nicht dran. Und was dran ist, zeigt sich. So einfach ist das Leben gedacht, außer wir identifizieren uns als Person mit der Geschichte. Dann wird es persönlich, kompliziert und anstrengend.
„Aber ich bin doch die Person, die in dieser Geschichte lebt. Wir können doch nicht einfach aus unserer Geschichte aussteigen?“
Wieso nicht?
Es ist nur ein Spiel, das eines Tages zu Ende gespielt ist.
Du musst auch nicht aussteigen – es reicht, wenn du all die Informationen kennst. Was auch immer du damit anfängst, obliegt dir selbst.
In „meiner“ Geschichte war es so, dass, als diese Klarsicht kam – oder die „Durchschau“, wie ich sie in meinem Buch nenne – , nichts mehr so gesehen werden konnte wie früher. Der Schleier, der mit der Identifikation als Person einherging, war verschwunden. Das ist es, was ich vorhin mit diesem Raum meinte, indem man erkennt, was man wirklich ist – ohne Menschenkleid – ohne Rolle.
Es ist alles viel einfacher, als wir es uns mit unserem begrenzten Verstand vorstellen können. Nicht wir schreiben die Geschichten – das Leben schreibt sie, und wir stellen uns lediglich in unseren zugedachten Rollen zur Verfügung.
Unser Leben als Mensch auf Erden ist vergleichbar mit einem Leben als Biene in einem Bienenvolk. Da gibt es die Arbeiterbienen, die Drohnen und natürlich die Königin.
Ein Bienenvolk funktioniert wie ein einziger Organismus. Jede einzelne Biene ist wichtig, doch erst im Zusammenspiel aller wird das Volk lebensfähig.
Genauso verhält es sich mit uns Menschen. Jeder Einzelne ist wichtig, und ist genau so, wie er ist, vom Leben gedacht. Und jeder ist genau dort richtig, wo er oder sie gerade steht.
Nur der Mensch erhebt sich aus seinem Ich-Erleben heraus über das Leben und weiß es immer besser, wie das Leben zu geschehen hat. Er mischt sich quasi ständig ein. Deshalb gibt er auch nicht das Ruder ab, sondern sagt dem Leben genau, wo es langzugehen hat.
Offensichtlich ist es dem Leben völlig egal, was du möchtest oder was ich möchte, denn dieses vermeintliche „Du“ oder „Ich“ ist Teil des gesamten Organismus. Wir nehmen uns zwar als ein „wichtiges“ Individuum wahr, doch in Wahrheit sind wir eingeflochten und eingebettet ins große Ganze. In einen Menschenschwarm, in dem es sowohl Könige und Königinnen als auch Arbeiterbienen und Drohnen braucht.
Und egal, in welcher Position du dienst: Aus der „höheren“ Sicht heraus sind alle Positionen gleichwertig. Niemand ist scheinbar besser oder schlechter – da ist nur Leben in verschiedenen Gewändern, die eines Tages abgelegt werden.
Hätten wir als Individuum wirklich das Ruder in der Hand, würden wir niemals zulassen, dass wir krank werden, dass Unfälle passieren oder dass Kinder sterben. Doch wir stehen nicht ÜBER dem Leben.
All das ist nur Leben, das unterschiedlich erscheint – in verschiedenen Gewändern (Personen), Positionen und Situationen. Und alles ist bereits vollständig – so, wie es erscheint. Nichts muss erst noch werden, um ganz zu sein. Genau dieses „Um zu“ ist der Trugschluss. Die Dinge sind, wie sie sind – immer schon vollkommen – mitten in der angeblichen Unvollkommenheit.
Kein Ereignis ist bedeutsamer als ein anderes. Ob jemand Karriere macht, ein teures Auto fährt und viel Geld auf dem Konto hat oder arbeitslos geworden ist und schauen muss, wie er oder sie über die Runden kommt – alles ist gleich-gültig. Nichts hat einen Mehr-Wert. Alles ist gleichwertig. Nur wir Menschen geben verschiedenen Situationen oder Personen mehr oder weniger Bedeutung und stecken damit unsere Mitmenschen in Schubladen. Kein Mensch ist jedoch bedeutsamer als ein anderer!
Wir vergessen dabei immer, dass ALLES Leben ist, das sich nur unterschiedlich ausdrückt. Wer möchte, kann auch „Gott“ durch „Leben“ ersetzen. Same same. Der Bettler und der König sind dieselbe Substanz – genauso wie eine Bine und eine Ameise. Alles ist gleich-gültig und Teil einer vollkommen natürlichen Gesamterscheinung, die sich nahtlos in das große Ganze einreiht.
Die Stelle, an der wir gerade stehen, ist eine vom Leben angedachte Stelle. Genau dort haben wir zu stehen und sind dafür gemacht. Nur wir meinen, es besser zu wissen als das Leben, stellen uns darüber und wollen woanders sein oder es anders haben. Was dann passiert, ist, dass wir leiden, weil wir uns gegen die Natur stellen – und das ist noch nie gutgegangen.
„mein ZIEL ist im weg!“ Genau das ist damit gemeint.
Wenn wir das Ziel herausnehmen – wie viel Druck und Erwartung fällt dann von uns ab?!
Ich meine damit nicht, dass du nie wieder Ziele setzen oder Pläne schmieden sollst. In gewissen Situationen brauchen wir sie sogar – für Termine, Urlaube oder im Business.
Doch sobald du sie setzt, lass sie gleichzeitig allesamt wieder los. Nimm den Druck heraus, wie etwas auszusehen hat.
Vor allem, wenn man Kinder hat, darf man dies unfreiwillig und nicht selten üben. Ich erinnere mich an einer unserer Reisen in weite Ferne. Es war alles bereits gepackt, die „Vorbereitungen“ waren getroffen, als ich plötzlich einen Anruf bekam: eines unserer Kinder hatte einen Fahrradunfall und lag im Krankenhaus. Der Urlaub musste warten.
Und das war nicht der einzige Urlaub, der anders oder woanders stattfand als geplant, das könnt ihr mir glauben.
*
Mein geistiges Team zeigte mir, dass wir Menschen unseren Fokus häufig auf Dinge richten, die aus höherer Sicht „Nebenschauplätze“ sind.
Für uns ist es wichtig, dass wir uns stetig weiterentwickeln. Wir wollen Karriere machen, mehr Geld verdienen, auch Persönlichkeitsentwicklung liegt hoch im Kurs. Auf der spirituellen Ebene ist es uns ebenso wichtig, weiter zu wachsen – am besten bis hin zur Erleuchtung.
Doch all das sind nur Nebenschauplätze, auf denen sich das Ego hauptsächlich bewegt. Ja, auch unter den Spiris – nur eben gut verkleidet.
Wenn das, womit wir uns ständig beschäftigen, nur ein Nebenschauplatz ist – worauf sollten wir dann unsere Aufmerksamkeit richten?
Es wäre gut, wenn wir uns zwischendurch aus dem Alltag herausnehmen und
unsere Aufmerksamkeit nach innen richten.
Was möchte sich durch mich ausdrücken?
Was möchte sich ent-wickeln?
Dabei ist das Hauptaugenmerk auf die Gegenwart gerichtet – nicht auf ein Ziel.
Es geht einzig allein darum, sich daran zu erinnern, wer wir (wirklich) sind und warum wir HIER sind. Ist diese Frage beantwortet, wirst du dich nie wieder an Nebenschauplätzen aufhalten. Und selbst wenn, wirst du sie nur noch als Teil des Spiels wahrnehmen und ihnen keine besondere Aufmerksamkeit mehr schenken. Dazu zählen auch Mitmenschen, die dir nicht guttun, weil sie vielleicht mit dir in Konkurrenz gehen, Energieräuber sind oder unecht sind und nur so tun als ob – gerne auch in spirituellen Kreisen.
Suche Orte auf, an denen du Freude und Liebe empfindest und lass das Leben durch dich wirken. Hier bist du ganz nah mit der Ur-Quelle verbunden, dem natürlichen Sein. Du spürst es, wenn du dem nichts in den Weg stellst: kein Ziel, keinen eigener Plan und vor allem dich und deine Vorstellungen, nicht über das Leben stellst.
Wenn du mit der Ur-Kraft mit schwimmst, bringt es dich ganz von selbst an Orte, die für dich bestimmt sind, und zu Menschen, die wichtig für dich sind. Das geschieht alles von allein, wenn du aufhörst an deinen Zielen festzuhalten. Lass sie los…
Stattdessen achte auf deine innere Stimme, auf Impulse und lass dich davon leiten. Dadurch gibst du dem vermeintlichen „Ziel“ die Freiheit, sich in die Richtung zu verändern, die für dich vorgesehen ist.
Dabei stellt sich eine Gelassenheit ein – und ich meine damit nicht, dass einem alles egal wird. Es ist eher ein:
„Vom Leben gelassen, zu sein, wie es ist“.
Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was das Leben einem präsentiert. Doch es ist eine ganz andere Haltung – und ein anderer Umgang mit den Herausforderungen, die das Leben einem schickt -, wenn man weiß, dass es nicht anders sein kann, als es ist.
Wenn ich höre, dass Menschen sagen: „Wenn du nur ganz viel manifestierst und visualisiert, dann kannst du deine Träume erreichen“, bin ich meist still und höre einfach nur zu. Denn ich erinnere mich gut an diese Phase.
Bärbel Mohr und ihr Bestseller Bestellung beim Universum prägten die spirituellen 90er-Jahre maßgeblich. Es war ein regelrechter Manifestations-Boom. Plötzlich gab es nicht mehr nur Bestellungen im Otto-Versandkatalog, sondern auch so etwas wie einen himmlischen Versandhandel.
Ich fragte mich allerdings bald: Was ist eigentlich mit all den Bestellungen, die nie eingetroffen sind? Haben wir wohl was verkehrt gemacht?? Nein, meine Lieben! Keiner!
Auch Bärbel Mohr nicht, die nur wenige Jahre später an einer unheilbaren Krankheit verstarb.
So wie es nicht in meinen Händen liegt, wie meine Geschichte verläuft, und meine Talente und Begabungen nicht in meinen Händen liegen, so liegt auch nicht in meiner Macht, wann dieser Körper nicht mehr existiert. Nein, all das liegt nicht in meiner Macht.
Ich liege von Anfang bis Ende vollständig in Gottes Händen.
Genau das, gerät mit dem Schleier in Vergessenheit. Deshalb erleben wir das Leben so oft als Kampf, weil wir meinen, die Zügel in der Hand zu haben.
Ich werde nicht müde, über das zu schreiben, was hinter dem Schleier liegt…
Das Leben selbst bringt alle Situationen hervor.
Auch dich und mich.
Wir können es also dem Leben/Gott überlassen, wie wir gemeint sind.
Du bist ohnehin Gott überlassen. Immer. Mit deiner Lebensgeschichte. Mit deinem Körper.
Du liegst in Gottes Händen und bist wunderbar darin geborgen.
Dieses Einverständnis mit dem Leben bedeutet, nicht im Widerstand gegen das zu sein, was ist. Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass genau die Dinge zu dir kommen, die für dich gedacht/gemeint sind.
Und darin geschieht alles absolut mühelos.
*
Als ich diesen Text beendet hatte, nahm ich mein Handy zur Hand und las die Nachricht, dass der Musiker Glen Hansard bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt sei. Tief bewegt überkam mich eine große Traurigkeit, und meine Augen füllten sich mit Tränen – auch in dem Wissen, dass er seine Frau und einen erst dreijährigen Sohn zurücklässt.
Ich kannte natürlich weder Glen noch seine Familie persönlich. Ich liebte einzig und allein seine Musik und seine Art. Ich liebte das, was sich durch ihn ausdrückte – und die Weise, wie das Leben durch ihn sichtbar wurde. Für mich war er einer der begnadetsten und zugleich bescheidensten Künstler unserer Zeit.
Wenn man seine Biografie liest, kann man sehen, wie seine Lebensgeschichte für ihn bestimmt war…
„Als es für den jungen Glen in der Schule nicht gut lief, nahm sich sein Schuldirektor seiner an. Die beiden sprachen viel über Musik, und als Glen ihm eines Tages sagte, dass er Musiker werden wolle, ermutigte ihn der Direktor: „Dann mach doch Musik.“ Sie schlossen einen Deal: Glen durfte die Schule für sechs Monate verlassen, um sich ganz dem Gitarrenspiel und dem Singen zu widmen. Wenn er danach merkte, dass es nicht das Richtige für ihn war, sollte er zurückkommen.“
So landete Glen mit gerade einmal 13 Jahren und seiner Gitarre auf den Straßen von Dublin. Für mich war dieser Schulleiter in diesem Moment ein verlängerter Arm Gottes. Er erkannte in Glen etwas, das ich Bestimmung oder Auf-Gabe nennen würde und gab ihm das Vertrauen und den Mut, seinem Weg zu folgen.
Später gründete Glen seine Band The Frames und erhielt einen Plattenvertrag. Dann bekam er eine wichtige Nebenrolle im Musikfilm The Commitments. Und so schloss sich auf magische Weise ein Kreis: Im Film Once spielte der inzwischen bekannte Musiker erneut einen Straßenmusiker – jene Rolle, mit der seine eigene musikalische Reise einst begonnen hatte. 2008 wurde er sogar für den Song Falling Slowly mit dem Oscar für den besten Song ausgezeichnet.
Glen Hansard galt als einer der gefeiertsten und einflussreichsten Musiker Irlands. Doch für mich waren es nicht seine Auszeichnungen oder sein Erfolg, die ihn so besonders machten. Es war das, was sich durch ihn ausdrückte – seine Musik, seine Hingabe und diese besondere Art, mit der er Menschen berühren konnte.
So wie Glen mit 13 Jahren seinen eigenen Weg einschlug, so wie er in den Jahren danach vielen Menschen mit seiner Musik unvergessliche Momente schenkte, seine Familie liebte und selbst geliebt wurde – bis hin zu jenem Morgen, an dem er ein letztes Mal auf sein Motorrad stieg –, wanderte er stets in den Händen Gottes.
Alles, was sich in seinen 56 Lebensjahren entfaltete, war vom Leben längst bejaht.
Ja, das Leben erscheint uns an vielen Stellen unfair – aber nur dort, wo wir es nicht verstehen können. Traurigkeit und Wut bleiben zurück. Menschsein.
Unsere Seele – oder das, was wir in Wahrheit sind – hat Ja gesagt zu allem, was wir hier erleben und wem wir begegnen. Und auch Ja zu dem Zeitpunkt und der Art und Weise, wie wir eines Tages wieder Heim kehren.
Kein Ziel.
Nur ein Weg.
-oneLove-

